Geopolitik und Empörung

Geopolitik und Empörung

Ich hatte die bereichernde Erfahrung eine ganze Gruppe von Flüchtlingen aus Persien (derzeit Iran) kennen zu lernen.

2500 Jahre Kultur merkt man:

Es war ein Abend, in dem diese wunderbaren Menschen mit Fotos und Powerpoint Vortrag Ihre Heimatstädte vor gestellt haben.

Und Sie lieben ihre Heimat zurecht.

Syrien:

Was dort bereits 2011 an Greuel aus dem Land berichtet wurde ist unfassbar. Und unendlich traurig. Diese Städte die wie die Menschen zusammen geschossen werden sind seit Jahrtausenden wunderschöne Kostbarkeiten. Ich bin in meiner Straße gerne in einer Art Imbiß-Restaurant, in dem man nicht Schawarma und Fallafel bekommt. Ich habe dort an einem Buffet zum Fastenbrechen während des Ramadhan teilnehmen können und werde die Stimmung berührte meine Seele. So kultiviert, freundlich, respektvoll und gastfreundlich wie dort sind die wenigsten Menschen hier in Moabit. An der Wand hingen große hochwertige Foto die die Städte vor Ausbruch des Krieges zeigen. Wie gerne hätte ich diese Städte besucht. Wir sehen in Städten zumeist die Gebäude auf den Fotos, aber wer die Seele einer Stadt atmen möchte, muss sich unter die Menschen dort begeben. Man spürt das Leben und die Kultur, der wir es zu verdanken haben, das Kultur und Zivilisation am Ende des Mittelalters auch den Weg nach Europa zurück fanden. Und die Region ist die Wiege der Zivilisation: Hier fand vor 11.000 Jahren die uns betreffende Neolithische Revolution statt: Die Sesshaftwerdung der Menschheit.

Was man wissen sollte:

Vor den politischen Unruhen in Syrien die anfangs ähnlich wie der arabische Frühling waren aber dann per Bürgerkrieg das Land in die Hölle stürzten:

Wiederkehrende Dürren in Syrien sind Teil des dortigen Klimas. Seit den 1970er Jahren wird jedoch eine zunehmende Trockenheit der Region beobachtet. Insbesondere in den Jahren 2006 bis 2011 herrschte in Syrien eine außergewöhnliche Dürre,[2][3] von der etwa 60 Prozent des Landes betroffen waren.[4] Zusammenhänge mit der globalen Erwärmung und schlechtem Wassermanagement werden in der Forschung mittlerweile intensiv diskutiert. Ein falscher Umgang mit dem verknappten Wasser, so die Befürchtung, könne zudem unter anderem gewaltsame Konflikte begünstigen

https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCrren_in_Syrien_im_20._und_21._Jahrhundert

Es ist wie Al Gore in seiner Vortragsreihe im Film “Eine unbequeme Wahrheit.” sagte: Wenn wir den Klimawandel und die Folgen ungebremst zulassen, dann ist das zutiefst unmoralisch.

Es sind derzeit 50-70 Millionen Menschen weltweit auf Flucht. 
So viel wie nie zuvor.  Es gibt zwar auch generell mehr Menschen auf der Welt, aber: 
Man muß sich der Tatsache stellen:  viele davon sind genau die ersten Massen an Klimaflüchtlingen, vor denen Al Gore warnte. 
Und das macht die soziale Energie bei den vielen Flüchtlingen aus, die im Vergleich zu früheren Flüchtlingsbewegungen eine ganz neue Intensität hat.

Das das einen brutalen Verteilungskampf um Ressourcen auslösen wird ist klar.

Und wenn man dann sieht, wie stark die extrem Rechten international verknüpft sind und welche Strukturen von enorm viel, Geld, Macht und Einfluß dahinter stecken, dann muß sich nicht erst die kranken Visionen anschauen von Leuten wie Steve Bannon, die mit einem “reinigenden Feuer” in der Größenordnung des zweiten Weltkrieges “das Böse” bekämpfen und danach eine “bessere Welt” errichten wollen. Auch die Drahtzieher hinter dem Brexit und anderen Ereignissen scheinen eine Agenda zu haben, mit denen sie auf die geopolitischen Sachlagen der nächsten Jahrzehnte Einfluß nehmen wollen.

Es ist natürlich so, dass das was im dritten Reich vor allem im Holocaust geschehen ist, die unfaßbarstes Grausamkeit war, man man Menschen angetan hat. Natürlich gab es im 20-ten Jahrhundert viele Genozide, die in Grausamkeit, Anzahl oder Anteil der Todesopfer an der Gesamtvölkerung um ein Vielfaches den Holocaust übertroffen haben. Aber in allen diesen extremen Genoziden ist Absturz aus der Zivilisation in eine entfesselte Barbarei zu erkennen. Und das ist das was den Holocaust so dermaßen unerträglich und so viel schlimmer macht als alles andere Blutvergiessen zuvor und danach: Der Holocaust war kein Absturz in eine Barbarei, der Menschen zu Keule schwingenden Urmenschen im Blutrausch machte. Der Holocaust ist leider eine erhebliche Zivilisations"leistung" von Organisation und Durchführung, um so dermaßen viele Menschen wie maximal Möglich zu quälen und zu ermorden. Es ist gerade diese extrem hohe Strukturiertheit in dem das Finsterste im Menschen zur Welt kam, die das so dermaßen unerträglicher macht als vieles an andere Massaker und Genozid.

Dennoch muß sich bewußt machen, dass die potentielle Wiederholung des Holocaust nicht größte Gefahr die von der heutigen rechten Bewegung ausgeht.

Die Länder die vom zweiten Weltkrieg und Holocaust betroffen waren tragen noch immer über mehrere Generationen hinweg ein Trauma in sich, dass den Holocaust auch zu einer Art Tabu hat werden lassen. Das Kratzen an diesem Tabu löst bei vielen einen solchen heftigen Abwehr-Impuls aus, das der damit einhergehende Kontrollverlust zu einem enormen Mißbrauchspotential in den Hände der rechten Demagogen wird. Deren polemischer Kampfbegriff “Nazikeule” ist viele andere Begriffe mit eindeutiger Nazi-Diktion wie “Lügenpresse”, “Volksverräter” eine Umetikettierung von Mißständen, die real existent sind und viele Menschen ja klar sichtbar vor Augen haben.

Es ist extrem auffällig: das ständige Spielen mit dem Tabu und ständige Überschreiten der roten Linien ist Strategie und Kalkül, das von den meisten Demagogen knallhart eingesetzt wird um natürlich die eigene Fangemeinde mit Spektakulum bei Laune zu halten und um mit exzessiver Provokation den Gegner wie Demokraten und Menschenrechtler unter Dauerstress zu setzen, und dadurch Ressourcen und Aufmerksamkeit zu binden, die woanders gebraucht und die von eigentlichen extrem schadhaften Vorgängen ablenken.

Es ist unerträglich, was da an Provokation gemacht wird, aber wer sich seiner berechtigten Empörung hingibt und die Kontrolle über seine eigene Rage verliert und damit Teil einer Stampede und Pogromstimmung wird, spielt den wirklich Gefährlichen Gegner nur in die Hände.

Und: Ändert man den Fokus und schaut über den Tellerrand des Holocaust hinaus sieht man globale Geopolitische Entwicklungen und Katastrophen in einem Gigantischen Ausmaß und mit Wirkungsmacht bis heute. Neben den aktuellen Triebkräften wie den Klimawandel sind Folgen von Kolonialismus und dem Ersten Weltkrieg sichtbar, was oft genug vom teilweise Dilletantischen Imperialismus der USA nur überdeckt wurde. Die USA haben gegen Ende des zweiten Weltkrieges die Schwächen der Heimatländer der Weltmächte Frankreich und des British Empire ausgenutzt um Ressourcen und geopolitische Einflußsphären an sich zu ziehen. Viele Kolonialkriege und Revolten gegen Konialmächte Frankreich und British Empire wurden im Kalten Krieg zu ideologischen Stellvertreter Kriegen der USA gegen den Ostblock und dem dortigen “real existierenden Sozialismus”, Auch im nahen Osten, Afghanistan, Süd- und Mittelamerika, und gut sichtbar in Indochina. Gerade die Einflußnahme der Westmächte ESA, Frankreich und Groß-Britannien bis hin zu Maggie Thatcher in Kambodscha goss eine Menge Öl ins Feuer und fachte die darauf extreme Gewalt- und Leidens- Eskalation an. Und auch unfassbare Genozide.

Die Welt ist seit dem Holocaust ist eine andere: 

Atomwaffen, das einen gewaltigen Anteil an Weltbevölkerung vernetztende Internet, die enormen Möglichkeiten zu einem selbst George Orwell unvorstellbaren Überwachungsstaat. 
Während wir uns mit unserer Zivilisation immer stärker abhängig machen von Grundlagen wie der Versorgung mit Strom oder generell Energie aus z.B. Erdöl, sehen wir auch, wie verletzbar die tönernen Füße sind auf denen unsere Zivilisation steht: Die reiche Stadt Houston wie sie in Regenwasser versinkt und das normale Leben komplett zusammen bricht. Oder die Doppelkatastrophe von Tsunami und und Fukushima Super-Gau in Japan 2011.

Was ist, wenn wir wirklich alles Wissen und alle Dokumente der Menschheit und alle unsere Arbeitsabläufe und Kommunikation digitalisiert haben und dann reisst ein gewaltiges Extremwetter wegen des Klimawandels diese digitale Infrastruktur in den Abgrund?

Auf eine solche Situation sind wir extremal schlecht vorbereitet. Durch die extreme Verschuldung, die Folgen der extremen Ungleichverteilung von Chancen und Ressourcen gerade in den “reichen” Ländern wie auch Deutschland sind wir auf kommende Ereignisse fast nicht vorbereitet:

Egal, ob es der Verlust elementarer Infrastruktur, Klima/Naturkatastrophen, Völkerwanderungsartige Flüchtlingsbewegungen, oder halt das sogenannte “Reinigende Feuer” und die ohnehin implizite Mordlust der Rechten ist. 
Viel Chancen und Ressourcen können wir derzeit nicht dagegen setzen. Was man auch daran erkennt, das gerade einmal 1-2 Millionen Flüchtlinge unsere reiche Zivilisation ins Wanken bringt, wo wir doch auch noch ganz andere Herausforderungen zu meistern haben.

Ich wünsche uns allen das wache Auge, die Umsicht, Geschick, Geduld, Kraft und Ausdauer um die kommende Mühsal und Gefahr mit einem unermüdlichen Einsatz für das Leben und gegen das Sterben zu begegnen.

Das Gebirge an Herausforderungen, was uns liegt mag gewaltig groß sein, aber es ist nicht unüberwindlich. Und: es gibt Herausforderungen, die mit vertretbaren Einsatz viel bewirken. So berichten Menschen, die ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig waren und sind, wieviel Gutes den Menschen also Flüchtlingen getan wird und von der eigenen Lebensfreude, weil sie schon lange nicht mehr so deutlich Selbstwirksamkeit erlebt haben.

Wir sollten uns vielleicht einen Slogan ausgerechnet einer Ölfirma im Guten Sinne zu eigen machen:

Es gibt viel zu tuen, packen wir es an. 

Mit ner (Hu)Manpower von sieben Milliarden Mitarbeitern kann man doch schon mal das ein oder andere Projekt stemmen, oder?

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