Das Gelöbnis

PAL - Eine Industrial Band - Clubhit in der EBM Szene

Wir jungen Pioniere, Söhne und Töchter des deutschen Volkes geloben bei unserer Pionierehre unserem Präsidenten Wilhelm Pieck, daß wir uns stets des Namens Ernst Thälmann würdig erweisen werden, der für das Glück unseres Volk gekämpft und dafür sein Leben gegeben hat. Das geloben wir!

 (Alle:) Das geloben wir!

Wir geloben, daß wir im Kampf für die Errichtung eines einheitlichen, friedliebenden, demokratischen und unabhängigen Deutschland unsere ganze Kraft einsetzen werden. Das geloben wir! Wir geloben, stets unerschrocken für den Sieg des Sozialismus in unserem Lande einzutreten.

 (Alle:) Das geloben wir!

Wir geloben, die Freundschaft mit der Sowjetunion, zu pflegen und zu hüten so wie Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck.

 (Alle:) Das geloben wir!

Wir versprechen, vorbildlich zu leben und zu lernen, um würdige Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik zu werden!

 (Alle:) Das geloben wir!


"Ein Gespenst geht um in Europa." - "Und dit sind im Moment wir."

Jugendweihe meines Cousins in Wismar

10 Tage Dauerschock-Zustand, DDR 1985

Die Grenze zur anderen Welt

Das größte Gefangenenlager Deutschlands nach 1945 habe ich anläßlich der Jugendweihe meines Cousins in Wismar in den Osterferien 1985 in einem 10 tägigen Dauerschock-Zustand erlebt:

Es hatte das Fassungsvermögen meines ganzen Bundeslands NRW. 

Die Grenze zur anderen Welt kannte ich seit frühester Kindheit.
Meine Eltern sind beide kurz vor dem Zaun des Todes aufgewachsen, 
bevor sie an den Ort kamen der für mich die Heimat ist.

Vorsicht Landminen

Das erste was ich von der Welt hinter dem Zaun des Todes sah, war das Schild “Vorsicht Landminen” - und ein Riesengroßer Stern über einem Drahtzaun wie ich ihn zuvor nur aus Auschwitz und dem Arpartheid-Südafrika kannte. Und das auch nie mit eigenen Augen. 

Stasi-Offiziere und Grenzsoldaten

Die eiskalte “Freundlichkeit” der einstündigen Durchsuchung unseres Autos, unserer gesamten Kleidung in den Koffern durch Stasi-Offiziere und Grenzsoldaten mit Maschinengewehr im Anschlag. Das grausame Gefühl, in diesem riesigen Stacheldrahtkäfig auf Maschinengewehre blickend die ganze Zeit seiner Ausweis-Papiere “beraubt” zu sein.

Und nein: 

Dieser Stacheldraht war kein Nato-Draht. 
Hier begann die andere Welt. Das andere Universum. 

Zwangsumtausch

Hinter der Grenze ein Intershop in dem wir unser Zwangsumtausch Monopoly-Spielgeld in irgendwas kaufbares hätten tauschen können: Blechmünzen aus irgendwas was leichter und seltsamer aussah als Aluminium. Banknoten die selbst im Sozialistischen Yugoslawien nicht so abgenutzt und unecht aussahen.

25 DM pro Tag gegen 25 Mark. 

Die ehemals stäkste Volkswirtschaft des Ostblock: 
Drei Jahre nach dem Staatsbankrott brauchte das Land Devisen.

Dann die Mauer.

Direkt links Neben der Straße. Kälter und einsamer als die in Berlin. Irgendwo dahinter die Ostsee. Rechts die Todeszone:
40 km vor der Grenze sah es so aus, als hätte man die Gegend 1945 sich selbst überlassen.
Kaputte leere Häuser, kaputte leere Panzer der roten Armee.

Dann eine verlassene Ortschaft. Links die Mauer.
Rechts am kaputten leeren Haus ein Schild:

“Es lebe die Freiheit im Deutschen Demokratischen Sozialismus”

Spätestens da wussten wir wo wir waren. 
Hier war jeder Spass ganz eindeutig vorbei.

Fahrt Lübeck - Wismer: Die Straße an der Mauer entlang

Ich habe neun Monate vorher - im Sommer 1984 auf der Autostraße von Rijeka zu den Plitvitzer Seen die Armut im Yugoslawischen Hinterland gesehen, die den ersten Weltkrieg und den Krieg Bürgerkrieg in den 90ern verursachte. 

Aber das hier war anders. 
Kälter, härter, grausamer. 
Die Menschenverachtung und die Todesbedrohung war unmittelbar. 
Hier war jeder Spass zu Ende. 
Kreidebleich und still schweigend fuhren wir langsam die Straße an der Mauer entlang. 

Wismar

Dann kam ‘ne Stunde Später Wismar. Links die Riesen Werft. Ein gigantischer Kran hob ein Hochseeschiff ins Trockendock. Auf einem Anderen dieser Kräne saß eine Cousine die ich noch nicht kannte. Dessen Sohn sollte ein paar Tage später Jugendweihe haben…

Die Rote Armee - Garnision

Das erste und einzige was ich in Wismar in Farbe gesehen habe, waren die Uniformen und Militärfahrzeuge der roten Armee. Wismar war Garnisionsstadt. So wie Dortmund. In den langen braunen Mänteln mit roten Verzierungen und den seltsam übergroßen Kappen waren Augen aus Zentralasien zu sehen. Ich kannte damals kein Kansachstan, Igurien oder wie sie alle heißen. Uniformen einer Armee gegen die “unsere” Leute in Afghanistan einen Verteidigungskrieg führte. Eine Armee die einen Wald von SS20 Atomraketen auf meine Heimatstadt richtete.

Für meine Mutter öffnete sich das Tor zur Hölle

Diese Uniformen hatte sie zuletzt im heutigen Polen gesehen:
Im Frühjahr 1945… ein Erlebnis das polnische und Deutsche Frauen nicht in bester Erinnerung haben.

Bei späteren Reisen nach Wismar ist sie nicht mehr mit gefahren.

George Orwell

Ich hatte in den Wochen vor dieser Reise das Buch “1984″ von George Orwell gelesen. Und plötzlich war ich inmitten einer solchen Aptraumwelt.

Graue kaputte Häuser - alle mit Einschußlöcher aus dem letzten Krieg. Die Hälfte Einstürzgefährdet. Die Hauptstraßen entweder Betonplatten mit großen Fugen dazwischen oder eine Art Kopfsteinplaster der mehr wie heller Granit aussah, als der dunkle Basalt in meiner Heimatstadt. Kopfsteinsteinpflasterstraßen mit Höhenunterschieden von 30cm auf auf ein paar Metern Länge.

Weiße Plakate ohne Bilder nur mit Schrift.

Parolen so absurd, abartig, menschenverachtend,  dass mich ein Satz über einen großen Bruder nicht gewundert hätte.

Und an die Stasi, die uns sicher auch ab und zu mal angeschaut hat, hab ich dabei gar nicht gedacht: der große Bruder war 1km die Straße runter und trug braune Mäntel mit roten Verzierungen. 

Panzer

Eines Morgens wackelte das Haus. Beim Blick aus dem Fenster fuhren Panzer der roten Armee vor dem Haus vorbei. Gott-sei-Dank in Richtung Osten. 

Alles war grau in dieser Stadt.

Die Straßen, die kaputten Häuser, die neuen Häuser. Aus Beton. Aber selbst die modernen “hoch”häuser sahen hier alt und grau aus. Die Menschen waren alle grau und sahen irgendwie müde aus. Ein grauer Schleier lag über der Stadt.

So wie der Schleier aus Steinkohlestaub in meiner frühesten Erinnering von Zeche ERIN und der Kokerei nur wenige hundert Meter von dem Ort an dem meine Mutter mich geboren hat.

Aber der graue Schleier über Wismar war kein Staub.

Es war eine unendliche Resignation und eine Verlorenheit ohne jede Hoffnung auf eine bessere Welt oder ein besseres Leben. 

Vor der Stadt Friedhöfe ohne Kreuze, ohne Davidssterne, nichts.

 Die Hoffnung auf ein bessere Welt jenseits der diesseitigen Hoffnungslosigkeit war hier auch begraben.

Das war mal eine Hansestadt

Das was heute UNESCO Weltkulturerbe ist, war nicht zugänglich. Alle Häuser aus den Anfangs-Zeiten der stolzen und reichen Hansestadt, die noch nicht eingestürzt waren, standen kurz davor. 

Einschußlöcher

Unter dieser surrealen Glocke aus grauer Hoffnungslosgkeit inmitten all dieser weißen Plakate mit den absurden Menschenverachtenden Parolen verbrachten wir die Tage.

Später erfuhr ich das nicht alle Einschußlöcher aus dem Krieg stammten: Manche entstanden an dem Tag, den wir im Westen als Nationalfeiertag kannten: am 17. oder 18. Juni 1953 wurde hier ein Teil des Volksaufstand zusammen geschossen, der ja angeblich nur in Berlin stattfand und nicht in der ganzen “Ostzone”.

Und die Mauer zwischen Lübeck und Wismar existierte auch nicht ohne Grund.

Ob es dort wie überall sonst auch Selbstschußanlagen aus SS-Beständen gab  weiß ich nicht.
Mir hat schon gereicht, was ich dort gesehen habe. 

Und die Könung des ganzen:

Die einzige Tankstelle mit Sprit für unser Auto lag außerhalb unserer Auffenthaltserlaubnis.
Hätten die Stasis oder Vopos uns da erwischt, wäre unsere Ausreise  sehr langwierig und teuer geworden. Vom schwunghaften Export von Stasiopfern gegen West-Devisen wussten wir noch nix aber  mein Arsch ging auf Grundeis als wir dort vor der Stadt genug stinkendes schweres Altöl tankten um heile und hoffentlich ohne Motorschaden zur nächsten Tankstelle in Lübeck zu kommen… zurück in die Realität.

Zurück im Westen

Ich war im Westen so froh, endlich wieder Popmusik im Radio zu hören, und statt dieser absurden weißen Pappschilder mit den absurden Parolen wieder bunte absurde Pappschilder mit Parolen für irgendeinen Scheiß den ich nicht brauchte, nicht wollte und für den ich eh kein Geld über hatte. Ich kam mir komisch vor, fühlte mich dekadent. Aber ich froh da heil raus gekommen zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Popmusik

Das ersten Geburtswehen großer Veränderungen

Das postindustrielle England hat 1985 den Nachschub an postindustrieller Düsternis eingestellt. Kein Postpunk und New Wave mehr zur besten Sendezeit. Statt dessen das hirnerweichende Brechmittel Modern Talking. Und eine blödel-Band namens Opus lieferte den Ohrwurm dieser Wochen. Die ersten zwei Wochen guckten mich alle blöd an … als die Mehrheit den Song hörte und ich aus der grauen Anderswelt jenseits des Zauns an der Elbe zurück kam, hab ich ihn schon nicht mehr ertragen. 

… was ich Ostern 1985 nicht ahnte:

In der Stadt, in der ich neun Monate vor Wismar zum ersten mal sozialistischen Plattenbauten sah tüftelte ein junges Künstlerkollektiv an einem neuen Musik-Konzept …

Postkommunismus statt Postindustrial

Während in den beiden Deutschlands die härteste Phase des kalten Krieges seit der Kubakrise abebbte und die nun stationierten SS20 und Pershing die Lunte am Weltuntergang auf maximal acht Minuten reduzierten…

In Slowenien

gab es eine Band, die aus Opus “Opus Dei” machte, ein katholischer Orden den sie von der Ratten-Linie kannten. Und aus Life is Life machten sie “Leben heißt Leben”:

Das meiste hörte sich an wie später Rammstein.
One Vision von Queen übersetzten Sie wortwörtlich in ein Deutsch, das an Nazi-Lyrik erinnerte.
Eine Steilvorlage für die Propangada-Rede der Nazis/Amerikanischen Präsidentin in Iron Sky…
Dem Lied gaben Sie den Titel eines Neonazi-Film aus den US-Südstaaten und fertig war der erste Skandal -Ultimative Provokation.

Alle gegen Alle - Kunste und Totalitarismus

Getreu dem Motto “Alle gegen Alle” von Deutsch Amerikanische Freundschaft. Veröffentlicht Mitte der 80er auf einem Plattenlabel, das mit Einstürzende Neubauten und vor allem Depeche Mode trotz Ende von New Wave ein Feuerwerk von Top-10 Hits abfeuerte. …

Sozialistische und Nationalsozialistische Kunst

Kurz darauf reichten Sie ein in Deutschland sehr bekanntes “Kraft durch Freude” Plakat der Dritte-Reich-Nazis bei einem staatlichen Kunstwettbewerb in Yogoslawien ein: 

(CD-Cover Sympathy for the Devil, KDF-Plakat)

Und gewannen den ersten Platz.

DAS war das ultimative Ziel:

Jemand wie Martin Sonneborn würde für sowas sterben. 

Den politischen Kult der sozialistischen Endzeit als Rotfaschismus enttarnen und Totalitarismus egal ob braun, rot oder blau gleichermaßen als Menschenverachtenden Kult mit Millionen Todesopfern vor zu führen und ihn vor aller Welt lächerlich machen.

Mute Records

Das Plakat kam auf das nächste Cover und diesmal mussten die Rolling Stones dran glauben. Sympathy for the Devil ist im Stones-Original so Scheiße, das das Laibach Elektro-Stahlgewitter eine echte Verbesserung darstellte. Was für die kleinen aber feinen Änderungen in den Lyrics auch galt. 

Ich entdeckte dieses Laibach-Stück erst in der ARD Rocknacht 1988 in der Pause irgendwann nach Dinosaur JR vor dem legendären Konzert von New Model Army die ihren Song 51st State of America einleiteten mit den Worten “Dieses Lied ist für ein Europa - zusammen - ohne America!!!”. 
Und zwei Wochen später bei Last Chance. Als der Plattenladen noch in der kleinen Passage irgendwo am Kunstmuseum war und noch nicht direkt am Hauptbahnhof (Dortmund)….  

13 Monate später fiel die Mauer

In Berlin - und von der Welt unbemerkt: an der Ostsee zwischen Wismar und dem pflanzenlosen Ackerfurchen mit den Landminen am Rand von Lübeck.  Das von Stasi und Grenztruppen bewachte Tor in eine andere Welt hörte auf zu existieren. 

Zeitenwende

Und in dieser anderen Welt brach für viele Menschen erst einmal noch schlechtere Zeiten an. Vollständig ohne Hoffnung kann man Jahrzehnte überleben ohne zu krepieren. Aber wenn die Neue große Hoffnung auf ne bessere Welt gleich wieder in den selben Orkus gespült wird wie fast das ganze vorherige Leben davor … so wie damals nach dem 17ten Juni 1953 … dann … dann …  ich sag nur Rostock Lichtenhagen. Man muss dieses Land gesehen haben, bevor es verschwand, um auch als Wessi zu kapieren was damals in Rostock anders war als bei den üblichen 80er Jahre Pogromen der Borussenfront gegen uns alle in NRW.

… SBZ, Ostzone, DDR, Mecklemburg-Vorpommern, … 

ein Land das sich als ein großes graues grauenvolles Gefangenenlager oder ein George Orwell Alptraum in mein Gedächtnis und tief in meine Amygdala eingebrannt hat.

 

 

 

 

 

 

Geburt einer Nation

Laibach Live im Berghain, Berlin Friedrichshain im Sommer 2012

And now again Music:

Es gibt ein Leben vor dem Tod“ and “Geburt einer Nation

from Ljubljana, Slovenia fomerly know as Laibach

Before the Russian Friends in Serajevo set the whole World under Fire in 1914 and also their own country in 1991 ... as they try to do in present times again in Donezk.

The Songs are from the 1987 CD “Opus Dei” released on Mute Record - The Label of Depeche Mode and Einstürzende Neubauten.

This Video shows the Concert as I have seen it Live 2012 in East-Berlin between the Stalin-Allee aka Karl-Marx Allee from the Ignition Point of the 17th of June Revolt and The Berlin Wall aka East Side Gallery in a Bunker called Berghain

More Infos:

Laibach (Band): https://de.wikipedia.org/wiki/Laibach_(Band)

Stalin-Allee: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Allee

East Side Gallery: https://de.wikipedia.org/wiki/East_Side_Gallery

Berghain: https://de.wikipedia.org/wiki/Berghain

Daniel Miller, Mute-Records: https://de.wikipedia.org/wiki/Mute_(Musiklabel)

Depeche Mode: https://de.wikipedia.org/wiki/Depeche_Mode

Einstürzende Neubauten: https://de.wikipedia.org/wiki/Einst%C3%BCrzende_Neubauten

 

 

 

Alle gegen Alle

Laibach covering DAF - Deutsch Amerikanische Freundschaft