Ein ganz normaler Arzt

(Dokumentation)

Heinrich Gross, HJ-Mitglied, SA-Mitglied und NSDAP-Mitglied, war 1944 Stationsarzt an der Wiener Euthanasieklinik „Am Spiegelgrund". 1950 stand er wegen Beteiligung an der Tötung von Kindern mit Behinderung erstmals vor Gericht. Zwei Jahre Haft lautete das Volksgerichtsurteil vom 19. März 1950. Nachdem der Oberste Gerichtshof den Schuldspruch jedoch wegen mangelnder Beweiskraft aufgehoben hatte, wurde das Verfahren eingestellt.

Die Teilnahme an Euthanasieaktionen war für Gross' beruflichen Aufstieg kein Hindernis: In den 1950er Jahren forschte er an den bis heute in der Klinik „Am Spiegelgrund" gelagerten Kindergehirnen weiter. Diese Untersuchungen begründeten seinen wissenschaftlichen Ruf als Neurologe. Er machte eine steile Karriere, wurde Primar und prominentester Gerichtsgutachter Österreichs, er wurde mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft, darunter das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Forschung.

Erst 1999 gab es eine neue Anklage. 2000 platzt der Prozess gegen Heinrich Gross endgültig, denn wegen fortschreitenden Gedächtnisverlustes bescheinigte ihm das Gericht Handlungsunfähigkeit. Dass sich der gesundheitliche Zustand bessern würde, war nicht anzunehmen. 2005 starb Heinrich Gross. Steht der Weg des 84-Jährigen symbolhaft für das Psychogramm und die Kontinuität der Verdrängung in der Zweiten Republik? Die Dokumentation „Ein ganz normaler Arzt" zeichnet Ursachen und Hintergründe der steilen Karriere eines Mannes nach, der sich immer als ganz normaler Arzt verstanden hat.

Wikipedia: Heinrich Gross

 

Ein ganz normaler Arzt. I

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Ein ganz normaler Arzt. III

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