Quarks & Co - Krank? Selber schuld! (02.02.2016)

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Quarks und Co: Burnout - die rätselhafte Krankheit

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Quarks und Co: Burnout - die rätselhafte Krankheit

Stress im Job führt immer öfter zu Altersarmut

Die Zahl der Menschen, die wegen psychischer Leiden in Frührente gehen müssen, steigt laut einer neuen Studie alarmierend an. Viele der Erkrankten führt dies in die Altersarmut. 

rbeitnehmer in Deutschland kommen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen in Frührente. Die Zahl der Betroffenen stieg innerhalb von zehn Jahren um rund 25.000 auf 75.000 im Jahr 2012, wie die Psychotherapeutenkammer in Berlin unter Berufung auf die Rentenversicherung mitteilte. Im Durchschnitt sind die Menschen dann erst 49 Jahre alt.

"Psychisch kranke Frührentner werden praktisch abgeschrieben", kritisierte Kammerpräsident Rainer Richter. Dabei könnte vielen Kranken laut Richter geholfen werden - mit besserer Behandlung oder mehr Rehabilitation inklusive Therapien und Trainings. Arbeit sei nicht nur belastend, sondern könne die Betroffenen auch stabilisieren, wenn ihre Leiden angemessen behandelt werden. Insgesamt aber bekomme nur jeder dritte psychisch Kranke in Deutschland überhaupt eine Therapie.

Jede zweite Frührente psychisch bedingt

Fast jede zweite neue Frührente sei psychisch verursacht. Als Grund zugenommen hätten seit 2001 vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (plus 49 Prozent).

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Oft geht der Frühverrentung eine längere Leidensgeschichte voraus. So stellen auch die Krankenkassen immer wieder dar, dass die Fehltage wegen Depressionen und anderer seelischer Leiden stark zunehmen würden. Laut Psychotherapeutenkammer hat sich die Zahl der entsprechenden Fehltage seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt. Nicht selten werde aus einer vorübergehenden Arbeits- eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit.

Richter kritisierte, die Kranken würden häufig unzumutbar zwischen Kranken- und Rentenversicherung hin- und hergeschoben. Die Kasse könne den Versicherten nämlich auffordern, einen Reha-Antrag zu stellen. "Auf diese Weise kann sie Ausgaben für Krankenbehandlung und Krankengeld sparen." Die Rehabilitation geht zu Lasten der Rentenkasse. Wenn ein Gutachter die Reha nicht als erfolgsversprechend bewertet, werde aus dem Reha-Antrag automatisch ein Rentenantrag. Häufig landeten die Patienten aber auch wieder bei der Krankenkasse, weil sie andere Krankenbehandlungen bräuchten.

Armutsrisiko der Kranken steigt

Mit der Frührente steigt nach Darstellung der Kammer das Armutsrisiko der psychisch Kranken. Denn die Erwerbsminderungsrenten seien seit 2000 stark gefallen - auf zuletzt durchschnittlich rund 600 Euro pro Monat. Mehr als ein Viertel der erwerbsunfähigen Rentner lebe in Einkommensarmut.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief die Bundesregierung zu klaren Regeln gegen zunehmenden Stress am Arbeitsplatz auf. "Wir brauchen eine Anti-Stress-Politik, damit Arbeit nicht länger krank macht", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur.

Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink forderte die Bundesregierung auf, sich der Missstände anzunehmen. "Wir brauchen dringend einen umfassenden Aktionsplan Seelische Gesundheit." Kammerpräsident Richter mahnte, die monatelangen Wartezeiten auf einen Therapieplatz müssten gesenkt werden. "Wir brauchen da gesetzliche Vorgaben."

Quelle: Welt.de

 

Immer mehr Frührentner durch Stress im Job

Druck, Stress, Mobbing - Zehntausende Arbeitnehmer leiden unter dem Job so stark, dass sie ausscheiden müssen. Immer mehr gehen in Frührente wegen psychischer Krankheiten. Damit landen viele in der Armut

Fast 40 Jahre hatte Werner T. als Koch, Küchenchef und Ausbilder gearbeitet. Dann war seine Kraft am Ende. "Da waren viele Sachen, die da zusammengekommen sind, DruckMobbing", sagte der damals 59-Jährige in einer NDR-Reportage. Nach einigen Wochen in einem Reha-Zentrum der Deutschen Rentenversicherung musste er wieder an seinen Arbeitsplatz und brach zusammen. Kaputt im Job - 75.000 Menschen kamen zuletzt pro Jahr wegen Depressionen und anderer psychischer Krankheiten in Deutschland in Frührente, mehr als je zuvor. Das Durchschnittsalter: 49 Jahre.

Bei Werner T. folgte zunächst ein längerer Psychiatrieaufenthalt. Auch danach blieb er arbeitsunfähig - dann unterschrieb er den Antrag auf Erwerbsminderungsrente. "Es war ein Schritt zu sagen: Ich geb' jetzt auf."

Ständige Erreichbarkeit und Konkurrenzdruck machen krank

Schicksale dieser Art häufen sich. Zwischen 2000 und 2006 gab es jährlich noch rund 50.000 Frühverrentungen wegen psychischer Leiden, seither klettern die Zahlen. Ist es eine unabänderliche Entwicklung - wegen des Stresses in der Arbeitswelt, ständiger Erreichbarkeit, Konkurrenzdruck und ständig neuer Technologien, die innerhalb von Stunden erlernt sein müssen?

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände weist darauf hin, "dass Arbeit grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und die persönliche Entwicklung des Einzelnen hat". Auch die Techniker Krankenkasse meldet sich zu Wort: Arbeit an sich mache nicht unbedingt krank. Stress entsteht durch starre Organisation - etwa wenn Arbeit und Beruf schlecht vereinbar sind. Was läuft also schief, dass es so viele Frührentner mit seelischen Störungen gibt?

Darum kommen so viele in die Frühverrentung

Rainer Richter ist Präsident der deutschen Psychotherapeutenkammer. Für ihn ist es eine "Misere, die in die Frühverrentung führt" - mit mehreren Stationen.

Der Beginn: Aufkeimende Depressionen oder andere psychische Störungen werden nicht behandelt. Die zuständige Kammer sieht die Ursache in einem Mangel an Psychotherapie-Plätzen, langen Wartezeiten, zu wenig Behandlungen. Richter: "Nur 30 Prozent aller Menschen, die unter einer psychischen Erkrankungleiden, werden angemessen behandelt." Das System ist auch nicht optimal aufgestellt: Laut Krankenkassenverband ist es heute oft Zufall, welche der vielen Therapiemöglichkeiten ein Patient ergreift. Die Zahl der Psychotherapeuten ist laut Kassen immerhin auf mehr als 20 000 gestiegen - ein Plus um 45 Prozent binnen zehn Jahren.

Firmen missachten die Fürsorgepflicht gegenüber den Angestellten

Begünstigt wird die Misere laut Psychotherapeutenkammer aber auch durch zu wenig Vorbeugung - auch in den Unternehmen. Betriebliche Gesundheitsförderung hat sich in den vergangenen Jahren zwar entwickelt. Doch um umfassende Ansätze etwa durch ein Präventionsgesetzringt die Politik seit Jahren.

Chaos zwischen Renten- und Krankenversicherung

Der Chef der Therapeutenkammer hat zudem ein Verschiebechaos zwischen Renten- und Krankenversicherung als Ursache vieler Probleme der Betroffenen ausgemacht. Krankenkassen forderten Patienten etwa auf, auf Kosten der Rentenversicherung in Reha zu gehen. Oft führe ein entsprechender Antrag aber auch schnell in die Frührente. Insgesamt zögen die Sozialversicherungen nicht an einem Strang, um zu helfen.

Frührente macht arm

In der Frührente erwarten die Betroffenen laut Psychotherapeutenkammer und Sozialverbänden oft Finanzprobleme - sie kann arm machen. Das zeigt schon die durchschnittliche Rentenhöhe von 600 Euro im Monat. Der Verband VdK fordert schon seit längerem: Die Frührente darf keine Sackgasse sein. "Es muss alles getan werden, um diesen Menschen durch gezielte medizinische und berufliche Rehabilitationsmaßnahmen einen zweiten Start ins Arbeitsleben zu ermöglichen", sagt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Werner T. wollte nach seinen niederschmetternden Erfahrungen unbedingt in Frührente. Doch er musste gefühlt eine Ewigkeit warten, bis über seinen Antrag entschieden wurde. Dann kam die Bewilligung - und er war erleichtert: "Als der Rentenbescheid kam, war ich richtig froh." Nach drei Jahren würde die Rentenversicherung erneut prüfen, ob er wieder arbeiten kann.

Das Klagen der Arbeitnehmer über den Fachkräftemangel in Deutschland erscheint vor diesem Hintergrund missverständlich - wenn so viele gut Ausgebildete frühzeitig in Rente gehen, weil sie ausgebrannt sind.

Quelle: lifeline.de