Innerdeutsche Migrationserfahrung. Causa Giffey - Die andere Perspektive.

Sobald eine Behinderung bei einem Menschen eine Rolle spielt, ist Mobilität primär eine Frage der sozialen Gerechtigkeit - und um diese ist es in Deutschland so schlecht bestellt, das viele junge Erwachsene sich mit diesem Begriff schon gar keine Vorstellungen für die eigene Lebenswelt verbinden können. Ob Mensch mit einer Behinderung in der Lage ist, ein Leben in Menschenwürde und mit einem Minimum an Mobilität führen kann, ist keine Frage der Willensstärke oder von sozialen und kuturellen Skills, sondern vor ein Faix Sociale:

Ob Mensch einmal die Woche beruflich zwischen Düsseldorf und Berlin pendelt, also Morgens hin - Abends zurück, oder sich mit Papis Kreditkarte als Student:in oder in den ersten Berufsjahren in Berlin, HH, oder Köln den Weg frei schiesst und mit Bahncard oder Flugzeug mindestens einmal im Monat aber auf jeden Fall über Weihnachten "nach Hause" fährt - oder ob Mensch bei nur wenigen Kilometern zu Recht von Migrationserfahrung reden kann, ist nur Menschen vertraut, die den Unterschied von "Genug zum Leben" und "zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel" sehr intensiv selbst erlebt haben.

Der Absturz von der Elite innerhalb einer Berufsgattung und Branche zur Falle in einer fremden Stadt fast ein Jahrzehnt gefangen zu sein - nachdem Mensch seinen Zugang zu Berufsleben und Teilhabe am Leben der Gesellschaft auch in einer zweijährigen Gefangenschaft in einer fremden Kultur in unmittelbarer Nähe zur Heimatregion- und Stadt erworben hat - und dabei eine transkuturelle Kompetenz im vielfältigen geographischen Mikrokosmos der Deutschen Länder und Völker erworben hat, scheint auch offensichtlich nicht oft vor zu kommen.

Denn Migration hat eine sozialpsychische und kulturpsychische Dimension der Nähe und Ferne, die in der global vernetzen Welt eine Vielfache von jeder in Kilometer ausdrückbaren Größe darstellt.

Es macht einen Unterschied ob man Beruflich oder mit dem Ferienflieger über dem Mittelmeer unterwegs ist, oder mit dem Flüchtlingsboot übers Mittelmeer kommt und das sogar überlebt.

Die selbe Seite der Medaillie ist die, die von Binnen-Migrationserfahrung in Deutschland sprechen kann. Wer 1989/1990 kein Jugendlicher oder Junger Erwachsener in der damaligen DDR war, und wer als Westdeutscher überhaupt noch nie seinen ersten Wohnsitz in Deutschland aber außerhalb der Nato in den Grenzen von 1989 hatte, solch einem Menschen fehlt jedwedes Erfahrungswissen solches zu bewerten.

Und die soziale Ungerechtigkeit insbesondere auch bei Chancen zu einer adäquaten Bildung und Ausbildung nach dem Abitur hat eine Vorauswahl getroffen, in wie weit Wissenschaftler überhaupt eine Wahrnehmungsfähigkeit für ein solches Forschungsfeld haben, und ob sie in der Lage wären, für ein solches Forschungsvorhaben eine Budgetierung zu beantragen.

Und das ist, wie nun derzeit im Bundestags-Wahlkampf bei den Viten der Kandidat:innen der CDU, Grünen und nun auch der Berliner Lokal-Politikerin F.Giffey aufgekommen ein Thema, das wie ein schwarzer Raucher in der Tiefsee des atlantischen Rückens, odern ein Vulkan auf Island aus den zentralen Verwerfungslinien unserer Gesellschaft kommt.

Und genauso wie beim und nach dem Lesen des umstrittenen Buch von Cornelia Koppetsch "Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter (2. durchgesehene und korrigierte Auflage 2019)"

www.transcript-verlag.de

geht es bei mir um die Frage der eigenen Identität und der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und Milleus,

die durch Geburt und Herkunft, durch Wahl meiner Religion, Wahl meines Berufs und den Folgen und Herausforderungen von angeborener Andersartigkeit und den Folgen von massiven Gewalterfahrungen in Kindheit, Jugend und in den letzten Jahren nach 2016

nicht nur bei der Bundestagswahl, sondern jeden Morgen, wenn ich morgens noch einmal meinen Tagesplanung durchgehe, an jedem Termin an der Uni, im Minijob

und am schmerzhaftesten:

an jedem Sonntag Morgen, an dem ich überlege, ob ich per YouTube LiveStream oder Zoom einen der beiden für mich in Frage kommenden Gottesdienst "besuche". Es ist so ein gewaltiger Unterschied von der Lebensrealität der eigenen Wohnung - oder als Teil einer Gottedienstgemeinschaft an einem Gottesdienst teilzunehmen.

Das erste Mal ist mir dieses an meinem Erleben aufgefallen, nachdem ich 2004 aus Aschaffenburg/Frankfurt am Main zurück kehrte und nach 10 Jahren einige Zeit im Elternhaus meiner damals noch lebenden Mutter verbrachte. Und das war auf dem Höhepunkt meines Lebens mit gesellschaftlicher und Beruflicher Teilhabe und vor allem Selbstbestimmung!

Es hat absolut nichts mit Religion im Sinne der Religion selbst zu tuen. Das selbe Phänömen erlebe ich in allen Veranstaltungen die eine ähnliche soziokulturelle Dichte haben, wie die Feier einer religiösen Gemeineinschaftshandlung:

Vieles an der Ruhr-Uni Bochum, und im Leben um meine Wohnung herum ist, mir enorm fremd und verstörend geworden. In den Jahren meines Abiturs und Studiums in Dortmund war Lebensmittelpunkt in Herne; dazu gehörte auch der Besuch von Sportveranstaltungen des FC Schalke 04. Menschen die mich kennen, werden ahnen, das Gazprom, Tönnies und ähnliche Oberflächlich erkennbaren Dinge im Widerspruch zu meinem Leben der letzten Jahrzehnte stehen.

Aber viel tiefer geht, was dort im Rahmen der letzten Schicht im Steinkohle-Bergbau im ersten Jahr nach meiner Rückkehr nach Bochum zelebriert wurde, ist vor dem Steinkohle-Bergbau Hintergrund meiner Familien und meinen Lebenserfahrungen in Aschaffenburg und Berlin völlig abstoßend.

Der größte nicht von Krankheit oder Krankheitsfolgen verursachte Schmerz in meinem Leben ist immer mit der sozialen Ungerechtigkeit verbunden Möglichkeit zur Möbilität verbunden.

Und es ist ein Menschlicher Schmerz, der tiefer und allumfassender ist, als alles, was ich sonst jemals erlebte.

Es ist nur Menschen zu verdanken, die mich in der Zeit von Aschaffenburg, dazwischen und in Berlin kannten. Oder die von hier mich dort besucht oder getroffen haben. Aktuell gibt es nur einen Menschen mit dem ich selten in face2face Kontakt bin, aber der in wesentliche Lebensepochen unmittelbar nach meinem Wegzug von meiner Heimatstadt in den Nachbarort Bochum, der mich in Berlin und auch nach meiner Rückkehr kennt.

Es ist eine Sache, ob man von solchen Menchen Hilfe in äußester Not erhält.

Oder ob dabei dadurch und darüber hinaus etwas von dem Licht -wie vom Mond reflektiertes Sonnenlich in finstester Nacht also etwas von dem Licht in die seit Jahren andauernde religiöse und das Rückgrat des eigenen Leben definierende Sonnenfinsternis fällt.... weil: wenn man die Bibeltexte erkennt, die Menschen tief in sich verinnerlicht haben, und ohne großes Worte verlieren in die Tat umsetzen, ... das gibt sorgt dafür, dass die sehr dünne Nabelschnur zu der Welt, in dem einen Grund gibt darin und dafür zu leben, nicht abreisst. Eine Welt, die größer ist als wir selbst und länger dauert als wir alle selbst.

Es gibt eine Migrationserfahrung entlang einer Strecke, die kürzer ist als die letzte Raststätte bis zur Autobahnabfahrt zu Hause - und ob mensch in zwei verschiedenen Welten lebt, die nur drei Autostunden, sechs Zugstunden, 45 Flugminuten auseinander liegen, oder ob ein Mensch transkulturelle und interkulturelle Erfahrungen und Erkenntnisse sammelt der den halben Planeten und die uns engegen gelegene Seite des Planeten besucht hat.

Das hängt von Meßgrößen ab, die nicht in Streckenmaßen wie Kilometer ausgedrückt werden können. Nicht hinreichende, aber sehr wohl notwendige Dimension dafür ist, ob einem Menschen die Ressourcen und Mobilität auf dem Niveau des absoluten Existensminimums zur Verfügung steht oder nicht.

Und mit jedem Epsilon an sozialem und finanziellen Kapital über das absolute Existenzminimum hinaus wächst exponentiell das menschliche Unvermögen, so etwas wie die Lebensbedingungen einer Binnen Migrationserfahrung überhaupt auch wahrnehen zu können.

Es ist naheliegend den Klimawandel als Nuaturphönomen zu betrachten. Aber was genau macht das gelegentlich zur Katastrophe?

Jeder fünfte Mensch in Deutschland hat eine prekäre Lebenssituation, die seinen ökologischen Fußabdruck auf den Durchschnittwert der gesamten Menschheit herab senken kann:

nämlich 1,2 Planeten oder wie in meinem Fall 1,1 Planeten sogar darunter. Dagegen leben 4 von 5 Menschen so, dass der Durchschnitt über 5 von 5 Menschen in Deutschland einen Ökölogischen Fußabdruck von 4,7 hat.

Das heisst 4 von 5 Menschen in Deutschland verbrauchen pro Jahr 5 x so viel Ressourcen wie dieser Planet in einem Jahr erzeugen bzw. verarbeiten kann - und knapp 5 x mal so viel wie 1 von 5 Menschen in Deutschland und weltweit zum "Leben" zur Verfügung hat.

Was das für jeden von uns bedeutet, und für das menschliche Beziehungsgeflecht im dritten Jahr des seit über 50 Jahren mit Furcht erwarteten Kollaps der Lebensgrundlagen der der europäischen Zivilisation kann sich dann jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten die reale Realität zu ertragen selber zusammen denken.

Was es für mich bedeutet, ständig zu erleben und zu hören wie Leute von hier nach Berlin zum Urlaub fahren, oder ich im Kirchkaffee Leute kennen lernen, die in Moabit nur 400m von mir entfernt wohnten und locker als Pastorentochter und Studentin zwischen dort und hier hin und her pendeln -

während ich dort in Moabit ein Jahr dem Tode entgegen siechte und diejenigen die überhaupt mitbekamen was da los ist, das mit allergrößtem Bedauern und ehrlichem Bedauern in die Schublade "Schicksal" legten.

Ein Jahr lang habe ich versucht, Hilfe zu bekommen, um überhaupt zu überleben. Es war relativ klar, das die zeithahe Rückkehr in die Heimat seit Anfang Januar 2018 das primäre Lebensziel meiner Person war und nur durch eine graviederende Verbesserung der Lebensqualität hinauf zum totalen Lebensminimum eine Alternative dazu darstellt.

Das was ich ich menschlich erlebt habe in 2018 war das einschneidenste und heftigste, was ich je in meinem durchaus abwechslungreichen Leben je erlebte. Einige Menschen hatte mit eingenen Schicksalsschlägen enorm zu tuen. Aber die meisten hatten weder Zeit noch Aufmerksamkeit, eine Frage oder Bitte überhaupt zu äußern.

Während es überhaupt nicht im geringsten für Viele Menschen in meinem Umfeld kein Problem ist zwischen hier und Berlin zu pendeln, und das durchaus auch mit PKW, ...

... so habe ich 2018 absolut alles - und zwar genauso absolut alles wie die Menschen in den Fluten von Ahrweiler oder Menschen in manch einem Flüchlingslager sogar hier in der Stadt - absolut alles von meinem gesamten Leben verloren!

Und das Ganze ist noch lange als Vergangenheit hinter mir.

Kann mir dann jemand mal erzählen, wie ich:

- jemals wieder an einem Gottesdienst oder einer Gemeindeveranstaltung teilnehmen kann

- jemals wieder Teil einer menschlichen Gemeinschaft werden kann, egal um welche gemeinsamen Interessen es ginge?

- wieder meine Religion ausüben kann

- wieder meine eigenen Lebensbereiche minimalst leben kann?

Wenn dieses Erlebnis von 2018 dermassen als tiefer Schmerz in der Seele ist, so das ich zwischen allen Stühlen nirgendwo mehr rein passe, wenn ich bin, wie ich bin. - Und dazu gehört auch, dass ich mit meiner Lebensrealität diese Befremdung und so manche Lebenswelten der 4/5, dort wo wie mit meinem früheren guten Leben und dem unerträglichen seelischen/menschlichem Schmerz überhaupt kaum ertragen kann - selbst wenn ich körperlich und in Sachen Fatigue dem ganzen überhaupt mithalten könnte...

... ob man jede Woche zwischen Bochum und Berlin ein Berufspendler ist, oder ob die dieselbe Strecke etwas ähnliches Bedeutet wie wie die Fahrt über den Atlantik für die reliösen Utopisten der Pilgrim Fathers, die im ersten Winter ihrer Kolonie im Osten der heutigen USA erstmal zu Kannibalen wurden, zu überleben.

Wie hätten diese Menschen ihr Leben erlebt, wenn sie nach 10 Jahren in ihre alte Heimat zurück gekehrt wären?